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„Mein Selbstbewusstsein war im Keller“

„Mein Selbstbewusstsein war im Keller“

Veröffentlicht am 20. Februar 2017


Mit dem Job im Stadtteilservice veränderte sich das Leben von Kerstin Kayar nachhaltig

Ihre Augen strahlen. Dynamisch, energiegeladen, glücklich. Das war nicht immer so. Eher im Gegenteil. „Die Zeit, die hinter mir liegt, war nicht einfach“ sagt Kerstin Kayar. Und berichtet davon, wie sie, als Schwerhörige ohnehin benachteiligt, die überwiegende Zeit ihres Lebens als alleinerziehende Mutter von fünf Kindern ein Dasein fristete, das vor sich hin plätscherte.

Ohne große Abwechslung, gefangen in der aufreibenden hausfraulichen Monotonie. Dann, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, reift der Wunsch, sich auf einer anderen Ebene einzubringen: Sie, die noch nie im Arbeitsleben stand, sucht einen Job. Als auf Bewerbungen kaum Antworten kommen und wenige Vorstellungsgespräche keinen Erfolg bringen, ist sie nah dran, das Handtuch zu werfen. „Bei einem Spaziergang bin ich auf den Stadtteilservice in der Elberfelder Nordstadt aufmerksam geworden und dachte, komm, ein letzter Versuch noch… ”

„Als sie vor mir stand, etwas nervös und aufgeregt, habe ich gespürt, diese Frau hat Potential und ist motiviert. Also soll sie ihre Chance bekommen“ erinnert sich Leiterin Silke Costa an den Moment im September 2015, wo sie Kerstin Kayar ins Team aufnimmt. Der Start fällt nicht auf Anhieb leicht. „Mein Selbstbewusstsein war im Keller und dann immer die Angst, unsere ‚Kunden’ würden mich aufgrund meiner Behinderung ablehnen,“ schildert sie die Phase des Einstiegs. Doch bald schon trägt ihre freundliche und einfühlsame Art in Verbindung mit einem individuell auf sie abgestimmten Sozialcoaching Früchte. „Anderen Menschen helfen zu können, ihre Akzeptanz und Dankbarkeit zu spüren, hat ihr Bestätigung gegeben und sie im Umgang mit ihnen sicherer und dynamischer und somit bald als Mitarbeiterin zu einer festen Stütze werden lassen,“ weiß Silke Costa.

Übrigens auch zur Überraschung der 50-jährigen selbst: „Ich habe mich immer als Schattengewächs empfunden, das vergeblich nach Licht strebt. Jetzt, wo ich selbst erstaunt bin darüber, was ich für die leisten kann, die auf unsere Hilfe angewiesen sind, verändert sich mein Leben unglaublich. Ich fühle mich gut, bin ein bisschen stolz und freue mich auf jede neue Herausforderung an jedem neuen Tag,“.

Zwischenzeitlich ist sie innerhalb des Stadtteilservice als Teilnehmerin in das bis Ende 2018 dauernde Bundesprojekt ‚Soziale Teilhabe’ gewechselt. Wie es danach weitergeht? „Ich bin optimistisch. Dank Silke Costa, die eine tolle Chefin ist, habe ich es bis hierher geschafft. Und ich werde es auch weiter schaffen“ sagt sie mit einer so freundlichen Bestimmtheit, das etwas anderes nicht wirklich in Frage kommt.